Ein geschichtlicher Überblick

Erstmals ist die den Ort Wettmar über einige Jahrhunderte überragende Windmühle auf dem Nordberg in einer Erbschaftsurkunde des Freiengerichts zu Otze genannt.
Das Bild zeigt die Wettmarer Bockwindmühle im Juni 2009. Die Mühle ist inzwischen umgeben von hochgewachsenen Bäumen. Das Flügelkreuz ist stark verwittert.
Nach dem Tod des Müllers Hermann Kubken hatte sein Verwandter Hermann Lübke die Mühle geerbt. Lübkes hatten keine Kinder, so übergaben sie im genannten Jahr 1585 die Mühle an den Nicht-Verwandten aber mühlenkundigen Heineke Potker. Dagegen klagten die Ehemänner der beiden Töchter von Lübkes Schwester und bekamen vor dem Otzer Freiengericht Recht.

Die Windmühle gehörte zu den ältesten im ehemaligen Amt Burgwedel. Sie war zu Beginn bis über die nächsten drei Jahrhunderte mit einem Roggenmahlgang ausgestattet, wie die anderen Windmühlen der Gegend auch. Weiterhin wurde zeitweise auf der Mühle wie in den umliegenden Windmühlen auch nebenbei das Malz für die Amtsherrschaftliche Brauerei in Großburgwedel geschrotet.

1620 wird der Windmüller Hans Fredecken als Mühlenbetreiber genannt, danach sein gleichnamiger Sohn, folgend dessen Sohn Ebeling Fredecken, der seit 1684 mit Gese Lüerding verheiratet war. Nach seinem Tod heiratete seine Witwe 1689 den Müller Henning Gehse aus Thönse.

Unter dessen Sohn Hans Gehse erfolgte 1747 ein Neubau der Mühle, offensichtlich unter Verwendung des alten Bockgestells.

Drei Generationen Gehse betrieben die Mühle bis 1795, als der letzte, Henning Gehse, die Mühle und den zugehörigen Hof im Ort an seinen Enkel Henning Ludolf Mente vererbte. Drei Jahre später erfolgte offenbar ein weiterer Neuaufbau der Mühle, worauf noch heute im Haupttragbalken des Mühlenkastens, dem sogenannten "Hammer", die Inschrift "H. L. Mente als Vormund, F. D. Bremer als Meister, 1798" hinweist.

Das Bild zeigt die Konturen der Inschrift im Haupttragbalken des Mühlenkastens, dem sogenannten „Hammer“.

Auch bei diesem Neuaufbau wurde offensichtlich der alte Bockstuhl wieder verwendet, die für diese Region sehr alt anmutende Form des tragenden Hausbaumes mit auffälligem Schnitzwerk weist darauf hin. Genaue Klärung wird hierzu noch eine dendrochronologische Untersuchung erbringen.

Der sich in der Inschrift wiederfindende Mühlenbaumeister F. D. Bremer dürfte aus dem Mühlenbauergeschlecht Bremer in Wichtringhausen (Barsinghausen, Region Hannover) stammen, von dem ein Mitglied 1838 in die Niederlande ausgewandert ist und dort später eine heute noch bekannte Mühlenbaufirma gründete.

Nach dem Tod H. L. Mentes erbte seine Witwe Anne Sophie Brandes die Mühle und heiratete 1811 den Müller Friedrich Häpke, der nach dem Tod des Erbsohnes Mente 1827 die Mühle in seinen Besitz nehmen konnte. Bis 1890 wird die Familie Häpke als Eigentümer der Mühle genannt.

In dieser Zeit der Familie Häpke erfolgte ein prägender Umbau der Mühle, vermutlich in den 1830er oder 40er Jahren. Bislang nur mit einem Roggenmahlgang ausgestattet, erhielt die Mühle nun auch einen Weizenmahlgang, da sich nach der sogenannten "Französischen Zeit" von 1806 bis 1813 auch auf dem Land die Ernährungsgewohnheiten zu Gunsten feinerer Weizengebäcke zu wandeln schienen.

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Das Bild zeigt die oberen Hälften der Kammräder und die Hauptwelle unter dem Dach der Mühle.

Aus der genannten Zeitspanne liegen etliche Anträge zum Einbau von Weizengängen in Bockmühlen dieser Region vor. Zum Antrieb dieses zusätzlichen Ganges musste das Getriebe aufwändig erweitert werden. Auf das seit Beginn zum Betrieb des Roggenganges genutzte große Kammrad wurde ein zweiter Zahnkranz aufgesetzt, der über ein stehendes Vorgelege, die sogenannte Königsspindel, den Weizengang antrieb. Im ersten Stockwerk, dem sogenannten Absackboden, befanden sich nunmehr zwei Siebmaschinen zum Trennen des feinen Mehles von den gröberen Schrot- bzw. Kleieteilen, die sogenannten Sechskantsichter.

Nach 1890 erwarb erneut die Familie Brandes die Mühle. Um die Wende zum 20. Jahrhundert ließ sie direkt neben der Mühle das heute noch erhaltene Müllerhaus errichten, nachdem die Müller bislang unten im Ort gewohnt hatten, was stets einen nicht unbedeutenden Fußweg zur Mühle vorausgesetzt hatte.

Die Mühle erhielt kurze Zeit später einen Motorantrieb in Form eines Verbrennungsmotors zum Antrieb bei Windstille. Der Motor stand in einem kleinen Gebäude zwischen Mühle und Wohnhaus und trieb über eine unterirdische Transmission und einen langen Treibriemen das Mahlwerk der Mühle an.

Das Bild zeigt die historische Aufnahme der Mühle. Die Flügel sind teilweise mit Segeltuch bespannt. Vor der Mühle ist das Motorhäuschen zu sehen, im rechten Bildbereich das Wohnhaus.

Ein paar Jahre danach erhielt die Mühle als letzte Modernisierungsmaßnahme statt der früher komplett mit Segeltuch bespannten Flügel in zwei Flügeln selbstregelnde Jalousieklappen.

Unter dem letzten Müller Heinrich Wolters ist die Mühle 1940 gewerblich und bis 1943 noch zum Schroten benutzt worden. Der Hannoversche Kaufmann Heinz Berberich, der bereits seit 1941 Eigentümer war, baute 1947 die Mühle zu einer Jagdhütte um, nachdem bereits ein Teil der technischen Einrichtungen entfernt worden war. 1952 bereits beantragte die Gemeinde Burgwedel beim Landkreis Burgdorf, die Mühle unter Naturschutz zu stellen.

Berberich verkaufte 1968 die Mühle an den Hannoverschen Bäckermeister Herbert-Christian Delfs, der sie restaurieren ließ und fortan als Wochenendhaus nutzte. Die noch vorhandenen Reste der zwei Segel- und zwei Jalousieflügel wurden unter Beibehaltung alter Substanz durch Attrappenflügel ersetzt, um der Mühle ihr äußeres Bild zu erhalten. Auf dem Freigelände hat Delfs einen historischen Steinbackofen errichten lassen und etlichen Menschen vieles über die traditionelle Müllerei und Bäckerei vermittelt.

Das Bild zeigt einen am Fuß der Mühle stehenden Mahlstein. Daneben liegt ein eisernes Zahnrad. 1978 ließ Delfs die Teile der uralten, bereits 1531 genannten Bockwindmühle Groß Bülten bei Peine nach deren Niederlegung bergen und zur Wettmarer Mühle bringen. Teile davon sollten später zu einer erweiterten Restaurierung unserer Mühle gebraucht werden.

Das inzwischen durch Wohnbebauung und Anpflanzungen geprägte Umfeld ließ eine weitere Restaurierung der Mühle etwa als Schauanlage jedoch nicht mehr sinnvoll erscheinen.

2007 hat der Heimatverein für das Kirchspiel · Engensen · Thönse · Wettmar e. V. die Mühle übernommen und plant nun ihre vollständige Restaurierung nach einer Umsetzung an einen nicht weit entfernten, windgünstigen Standort.

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Welche Bedeutung haben Windmühlen für Burgwedel?

Das heutige Stadtgebiet von Burgwedel war in der Vergangenheit durch eine außergewöhnlich hohe Zahl von Windmühlen geprägt.

So zeigt eine 1662 gefertigte "Karte der Vogtei Burgwedel" bereits acht Mühlen, gegen Ende des 19. Jahrhunderts drehten sich hier sogar zehn Windmühlen. Rechnet man das Gebiet der Nachbargemeinde Isernhagen noch dazu, konnte man kurz vor 1900 bereits 22 Windmühlen zählen.

Die zahlreichen Endmoränenhügel des Heiderandgebietes boten ideale Windmühlenstandorte, während geeignete Fließgewässer für den Betrieb von Wassermühlen nahezu fehlten und es jene Mühlen daher nur in vereinzelten, kleineren Exemplaren gab. Gerade die Bockwindmühle wurde hier regelrecht zum Landschaftssymbol.

Um so bedauernswerter ist es, dass heute nicht mehr eine einzige dieser Windmühlen vollständig erhalten ist. Ein uraltes Kulturgut unserer Region ist bis auf ein paar wenige Überreste aus der Landschaft verschwunden.

Das Bild zeigt das Wappen der Ortschaft Großburgwedel. In der unteren Hälfte des Wappens sind fünf Windmühlen abgebildet. Das Wappen von Großburgwedel trägt noch als Erinnerung daran fünf Bockwindmühlen, das von Wettmar erinnert mit einem halben Mühlrad an eine lange Jahre im Forst Welle liegende Wassermühle.

Das Bild zeigt das Wappen der Ortschaft Wettmar, im unteren Bereich das halbe Mühlrad einer Wassermühle. Die Wettmarer Bockwindmühle auf dem Nordberg bietet als letzte innerhalb der Stadt Burgwedel die Möglichkeit, eine Windmühle betriebsfähig zu restaurieren und als technisches Kulturdenkmal der Öffentlichkeit vorführen zu können.

Text: Rüdiger Hagen
Müllerei- und Mühlenbautechniker, 30900 Wedemark / Brelingen

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